Am 27.6. um 7 Uhr in der früh verließen Peter und ich und viel Gepäck das Haus bei strahlendem Sonnenschein, der uns einen heißen Tag versprach um ins KH zu fahren. Dort sollte die Geburt von Charlotte eingeleitet werden (aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes wollte man nicht über den Termin gehen).
Punkt 7 Uhr 30 wurde das erste mal Gel gelegt und anschließend hing ich stundenlang immer wieder am CTG. Peter und ich spielten dabei eifrig Backgammon, obwohl ich mich kaum rühren konnte (immer in Seitenlage) und mich die Infusionsnadel am Arm so drückte, dass ich auch nicht würfeln konnte
Auf dem CTG tat sich bis Mittag gar nichts, auch der Befund des Muttermundes war immer noch unreif.
Nach dem Mittagessen wurde das zweite mal Gel gelegt. Bis zum Abendessen tat sich aber wieder nichts, außer das etliche Backgammon gespielt wurden und mir langsam der Rücken weh tat vom Rumliegen.
Zum Abendessen hin zog es dann endlich mal hier mal da. Das Ärzteteam hatte aber schon gesprochen es am nächsten Tag weiter mit Einleiten zu versuchen. Trotzdem hing man mich noch mal ans CTG und siehe da es waren regelmäßige Wehen zu sehen (wenn auch kaum zu spüren.) Sicherheitshalber sollte ich um halb zehn noch mal zum CTG in den Kreißsaal kommen.
In der Zwischenzeit bezog ich also mein Zimmer und ging mit Peter noch mal im Park spazieren, wo mich einerseits mind. 10 Mücken gestochen haben andererseits mich die Wehen mittlerweile einigermaßen quälten, so dass ich immer wieder stehen bleiben musste, aber auch Hoffnung aufkam, dass es doch noch was wird.
Um Viertel nach Neun sind wir dann schon in den Kreißsaal um ans CTG zu kommen. Ich beschrieb meine Wehen, denn sie kamen einmal über die Beine, die nächste über den Rücken, dann wieder wie stärkerer Mensschmerz. Die Hebamme meinte, das käme vom Gel und wäre Wehen, die eh nichts brächten…..trotzdem wurde ich ans CTG gehängt und Peter fuhr eben schnell zu Mc Donald’s, denn er hatte im KH kein Abendessen bekommen.
Kaum war Peter fünf Minuten weg, kam die Hebi wieder rein, schaute auf’s CTG und meinte nur: „Um Gottes Willen!“, und fing hektisch an zu telefonieren. Auf mein Fragen hin, was das alles bedeute, meinte sie, die Herztöne seinen bei jeder der Wehen mehr als im Keller und es werde wohl ein Kaiserschnittkind.
Während am Gang und im immer selbst alles schon hektisch wurde, durfte ich Peter anrufen und heulte nur ins Telefon :“Komm schnell! Kaiserschnitt!“
Bis Peter wieder da war vergingen nur ein paar Minuten. In der Zeit wurde ich nackt auf ein Bett gelegt, bekam zwei Infusionen (Wehenhemmer, mit dem sich die Herztöne normalisierten) . Alles was ich wirklich mitbekam, war das jeder der 3-4 anwesenden Personen, die an mir rumwurschtelten, ständig rumschrien : „Schneller!, langt schon!, passt schon!, schneller!“……Rasiert wurde mit einem Strich, der Katheder saß nicht, so dass sich der anwesende Kinderarzt schon mal entschuldigte, dass er nun rabiat werde….so genau will ich es nicht beschreiben, jedenfalls war das der Moment als Peter das Zimmer verließ! Das konnte er sich nicht mit ansehen! Letzten Endes aber saß der Katheder!
Mein FA war mittlerweile auch eingetroffen. Ich begrüßte ihn nur mit den Worten „ Das ist alles ihre Schuld!“ Schließlich war das die Situation, die ich nie haben wollte, dass es irgendwann kritisch ums Kind steht….er hatte mich ja schließlich zu dieser „natürlichen“ Einleitung überredet.
Dann ging es im Laufschritt Richtung OP. Peter bekam gesagt, das Kind wäre in 15 Minuten da und ich wieder in 30 Minuten…was Peter in den folgenden 1 ¼ Stunden durchgemacht hat, in denen er auf das Kind (und mich) warten musste, ohne irgendeine Erklärung, brauch ich niemanden zu sagen.
Im OP angekommen wurde versucht die PDA zu setzen. Während zwei Anästhesisten an mir rumfuhrwerkten wurde ich noch verkabelt, zwischendrin die Herztöne des Kindes immer wieder überprüft.
Kurz: 45 Minuten wurde auf meinen Rücken eingestochen!!!!!! Keine Nadel saß!!!!!!!
Ich selbst kann nicht sagen, wie oft gestochen wurde…Peter hat zwei Tage später über 10 Einstiche gezählt und mit jedem Stich wurde ja auch noch in verschiedene Richtungen gebohrt!!!!
Meine eigene Erinnerung an die Sache, sind wieder die Wahnsinnsaufregung der Leute, dass meine Arme geschlottert haben vor Angst und die grünen Schuhe meines Frauenarztes, der meine eine Hand ganz fest hielt die ganze Zeit und mit der anderen meinen Kopf an seine Brust gedrückt hat und mir ständig was ins Ohr geflüstert hat. Einen Satz, den er besonders oft gesagt hat war: „Glauben Sie’s mir, so ne Scheiße hab ich hier noch nie erlebt!“
Ohne meinen FA hätte ich die Zeit wohl nicht überstanden!!! So panne er ist, er war mir ein guter Beistand!
Dann doch die „Erlösung“: Wir machen ne Vollnarkose! Also wieder hinlegen. Kaum hingelegt, bekam ich kaum noch Luft weil die Leute in ihrer Hektik alle möglichen Schläuche und Kabel um meinen Hals gewickelt haben. Musste erst wieder einiges Abgestöpselt werden, damit ich überhaupt Luft bekam.
Tief in die Maske atmen (zwischenzeitlich bat ich immer erst zu schneiden wenn die Narkose anschlägt, weil ja alles schon „vorbereitet“ war)….das nächste an das ich mich erinnere ist, wie ich in den Kreißsaal gefahren wurde (10 vor 12). Mir tat alles weh so dass ich mich selber ständig „aua, aua“ sagen hörte. Peter sagt, ich hätte auch immer „Verdammte Scheiße“ gesagt, aber ich kann mich selbst nicht daran erinnern.
Charlotte lag unter der Wärmelampe (Peter hatte sie nicht auf den Bauch bekommen, schließlich wurde neben an der nächste Kaiserschnitt vorbereitet..)und hat mich wohl sofort erkannt (ich hoffe nur an der Stimme, nicht an der Wortwahl). Und ich bekam sie eingewickelt in Decken auf die Brust. Peter war klatschnass geschwitzt vom Warten und der Wärmelampe und hatte ziemlich verheulte Augen. Charlotte hatte auch viele Schweißperlen auf der Stirn, aber die waren von der Lampe.
Anlegen durfte ich sie erst am nächsten Tag.
Irgendwie kann ich heute immer noch nicht glauben, dass dieses Kind aus mir kommt. Was würde ich dafür geben, sie gesehen zu haben, als sie aus mir rauskam! Dieses verpasste Erlebnis und die Art und Weise wie der KS ablief holen mich immer wieder ein! Sobald Ruhe einkehrt kommen mir die Tränen! Wie sehr hätte ich der kleinen Charlotte einen harmonischeren Start gewünscht!
Laut Aussage meines FA passiert es höchstens einmal im Jahr, dass ne PDA nicht sitzt!











