Hallo ihr !
Nun kam schon des öfteren die Frage, wie es zu meiner Kündigung kam. Ich habe das nie soooo breittreten wollen. Aber ich werde es euch heute gern mal erörtern.
Das ist aber auch eine Geschichte ......

Also, ich hatte da eine supernette Kollegin, und manchmal war sie voll verheult. Anfangs habe ich nur gesagt, wenn sie reden will, könne sie das bei mir tun. Irgendwann erzählte sie mir dann, dass ihr Freund kürzlich erst verstorben ist. Nunja, das tat mir leid und ich redete viele Stunden mit ihr und hörte mir alle ihre Sorgen und Nöte an. Dann erzählte sie mir von ihrem Wunsch nach einer großen Familie und dass sie weniger um ihren Freund weinte, als um die Tatsache, dass dieser Wunsch nun etwas weiter in die Ferne getreten ist. Dabei erzählte ich ihr dann, das wir auch Kinderwunsch haben und er sich bisher noch nicht erfüllt hat. (Das war noch in unserer Zeit der Clomifen-Zyklen!)
Zum Jahreswechsel auf 2003 lernte sie dann einen Jungen kennen (gerade 21 Jahre alt und somit 9 Jahre jünger als sie) . Innerhalb von 14 Tagen hatte sie sich entschieden von ihm schwanger zu werden und leitete diverse Untersuchungen ein. (ER wußte bis dahin von nix) Bei einer dieser Untersuchungen kam dann heraus, dass sie in den vorzeitigen Wechseljahren ist und keine Eisprünge mehr hat. Wieder viele Tränen. Aber ich konnte das noch ganz gut nachvollziehen. Habe getröstet wo ich konnte und fragte, wie sie sich das weiter vorstellt. Erst nach einem dieser Gespräche, weihte sie ihren Freund ein. Ein wenig unter der Angst, er würde sie vielleicht deshalb verlassen. Er sagte aber, er macht alles mit. Ich lieh ihr meine umfangreiche Literatur aus. Darin fand sie eine Adresse zu Eizellspende in Valencia und machte dort einen Termin. Dann flogen sie zur Voruntersuchung hin. Das war ca. im März 2003. Irgendwie gefiel es ihr dort nicht und sie zweifelte wieder ob sie es tun solle. "Das ist doch ekelig, so was fremdes in sich wachsen zu fühlen!" Zitatende.
Ich war der Meinung, sooooo nah an ein "eigenes" Kind kommt man mit keiner der anderen Lösungen, die für sie in Frage kamen. Also nahmen sie einen Kredit auf für zwei Versuche in Valencia. Es wurde gaaanz viel gelogen den anderen Kollegen und vor alem dem Chef gegenüber. Und ich mußte sie als einzige Mitwisserin alles tun um das zu vertuschen und zu decken. Im August flogen sie dann nach Spanien. Auch dazu mußte eine Oma "sterben" um sooo spontan Urlaub zu rechtfertigen. Auch das mußte ich mit tragen.
Von da an erzählte sie mir plötzlich gar nichts mehr!
Nicht wie es war, wie es gelaufen ist, wieviele Eizellen. Einmal machte ich den Versuch, weil ich dachte, sie täte das aus Rücksichtnahme mir gegenüber. Aber sie wich aus! Dann dachte ich es sei etwas schief gelaufen und sie würde deshalb nicht reden wollen.
Dann fing sie an immer irgendwelche Andeutungen am Telefon (anderen Freunden gegeüber) zu machen. Das war mir dann zu blöd. Da sagte ich dann nichts mehr zu diesem Thema. Dachte immernoch sie würde eine gewisse Zeit abwarten wollen und dann von allein reden.
Das tat sie dann Anfang November 2003. Dieser Tag war ein Freitag und der letzte Arbeitstag vor meinem Urlaub. Den hatte ich genommen für unsere 1.ICSI.
Ironie !!!!! Oder?
Sie teilte allen Kollegen (das waren noch 5 außer mir, und eine davon war gerade im 8.Monat selber schwanger) mit und auch dem Chef. Ein voller Erfolg, gleich beim ersten Mal schwanger!
Als ich aus meinem Urlaub zurückkam, lag eine Abmahnung auf dem Tisch. Lauter fadenscheinige Gründe. Ehrlich!!! Alles an den Haaren herbeigezogen. Ich hätte jeden Punkt sogar schriftlich entkräften können, aber ich war so vor den Kopf geschlagen. Wie in Trance machte ich meine Arbeit. Einmal hörte ich das Telefon nicht und ging erst dran, als mir jemand zubrüllte, ich solle rangehen.
Das Gespräch durfte ich noch beenden, dann mußte ich zum Chef! Der hatte das mitbekommen und sprach mündlich die zweite Abmahnung aus. Ich war voll verdattert, aber er meinte das ernst. Er sagte wortwörtlich: " Sie merken wohl selbst, das sie hier keine schöne Zeit mehr haben. ICh würde mich freuen, wenn sie Ihrerseits kündigen würden. Sonst geht das immer so weiter!" Und grinste mich an. Abends besprach ich die Sache mit meinem Mann und der sagte, ich solle mich kündigen lassen, wenn ihm so wichtig ist mich loszuwerden. Dann bekäme ich wenigstens Arbeitslosengeld.
Mein Chef ließ sich darauf ein. Den Erhalt der Kündigung mußte ich gegenzeichnen.
Als ich das getan hatte, lehnte er sich im Sessel zurück. Sah mich an und meinte in freundlichem Ton:" Es tut mir sehr leid, wie das gelaufen ist. Aber da schon zwei Ihrer Kolleginnen schwanger sind, und mir eine von ihnen erzählte, Sie planen das auch, da mußte ich handeln. Sie wissen slebst das wir ein kleines Büro sind. Da kann ich mir einen dritten Ausfall nicht leisten. Ich bin Frau ..... dankbar, dass sie mich nicht mit Ihnen in diese Falle tappen ließ."
Tja, ich hatte noch Resturlaub und war somit nach 2 weiteren Tagen FREI. Ich bekam ein sehr großes und großzügiges Abschiedsgeschenk, ein paar Floseln und feuchte Händedrücke und durfte heimgehen.
Ich habe nie wieder von einem von ihnen gehört.
Bei meiner Krebsvorsorge im Juli diesen Jahres, traf ich besagte EX-Kollegin bei meinem Frauenarzt. Mit Maxi-Cosi (oder wie das Ding heißt) . Sie drehte sich und das Kind ganz schnell weg und ergriff mit kurzem Gruß die Flucht. Ich weiß nicht einmal ob sie Junge oder Mädchen hat, und wann der Geburtstag war. Nunja!
Das war die ganze Geschichte.
Sorry, das ist jetzt sehr ausführlich geworden. Wolle ich zwar nicht, aber ich fühle mich tatsächlich befreit. Ich fühlte mich so ausgenutzt und überflüssig. und war auch neidisch, dass ich soviel Pech habe, und bei ihr klappte das gleich, obwohl sie nur durch mein Zureden überhaupt dorthin gefahren ist.
Aber so is´ Leben !
Danke Doreen, dass Du nachgefragt hast.
@all:
