hallo kerstin,
eskimoküsse????? kenne nur chinesische küsse, also die nasen aneinanderreihen. aber wie küssen die eskimos?
all:
ihr habt es ja nicht anders gewollt

der 2. teil meiner kolumne, über die winzigen alltagssorgen, mit denen frau als mama es so zu tun hat (und ihr werdet es selbst merken, wie schön, das ist

schönen sonntag
die nächsten 2 tage unterwegs
raphaela
Kolumne für „Hausfrauenrevolution“
Teil 2
Hilfe, mein Kind isst weder Fleisch noch Gemüse
Eigentlich sollte der Speiseplan, laut Empfehlung des For-schungsinstituts für Kinderernährung, inzwischen Obst, Getreide-produkte, Kartoffeln, Gemüse, Fisch und Fleisch umfassen. Und zwar lediglich in zerdrückter Darreichung. Der Pürierstab habe für ein 12 Monate altes Kind ausgedient. Ausdrücklich wird der jun-gen Mutter beim Ausprobieren neuer Gerichte geraten, die ange-borene Neugierde des Kindes zu nutzen. Aber unser Kind ist nicht neugierig. Ganz und gar nicht. Zumindest wenn es um die Nah-rungsaufnahme geht. Sie will genau das auf dem Warmhalteteller haben, was es auch gestern gab und vorgestern und vorvorges-tern sowie an den vielen Tagen zuvor. Und das ist Obst. Bevor-zugt Apfel, zur Not auch Birne oder Banane. Nicht zerdrückt, son-dern sämig püriert. Angereichert um eine Handvoll zarter Hafer-flocken, in Wasser matschig gekocht. Das schmeckt ihr. Morgens, mittags, abends, eigentlich immer. Aber sonst nichts, gar nichts!
Dabei habe ich mich ganz genau an die Rezepte von Deutsch-lands Zwergen-Gourmet-Bibel gehalten. Dagmar von Cramm ver-spricht in ihrem Küchen-Ratgeber „Für Babys – Was schmeckt und gut bekommt!“ viele bunte Rezepte, die dem Kind Spaß am Essen beibringen. Bunt sind sie die Rezepte, immerhin sind alle in Farbe abgebildet. Aber Spaß am Essen verspürt unser Fräulein gar keinen bei Rahmkartoffeln mit Blumenkohl, Kohlrabi Zweierlei oder Nudeln mit Fleischsause. Sie reagiert mit Protest, lautem Protest. Wenn ich mich dennoch erfreche, einen Löffel zwischen die fest geschlossenen Lippen zu zwängen, wird sie handgreiflich. Mit gekonntem Handkantenschlag bringt sie den Teller zum Flie-gen. Gleich einer Frisbeescheibe sirrt er durch die Luft und verteilt Kohlrabi, Rahmkartoffeln oder wahlweise Fleischsause kreisrund im Zimmer. Die Wände in der Küche legen farbig davon Zeugnis ab.
Als Mutter darf man sich ja von solch kleinen Rückschlägen nicht irritieren lassen. „Wenn es nicht gleicht klappt mit dem Gemüse, kann man den ungewohnten Geschmack zum Beispiel mit Bana-ne verstecken“, weiß Frau von Cramm Rat. Also dann halt so. Denn auch unser Fräulein braucht Gemüse und Fleisch für ihre gesunde Entwicklung und weiteres Wachstum. Die gesunde Ent-wicklung der Geschmacksnerven stellte ich bei der Kombination Kartoffeln-Karotten-Hühnerfleisch-Brei mit Banane zugegebenermaßen hintan. Der erste pürierte Löffel gelang, der zweite traf auf Unbehagen, beim dritten war der Betrug offenbar: Der Warmhalteteller nebst dickflüssigem Inhalt in orange-ocker landete gezielt auf meiner Brust. Bei den nächsten Versuchen schützte ich mich durch Überstreifen einer gelben Regenjacke. Allerdings lernt unser Kind schnell. Allein der Anblick der gelben Jacke entlockt ihr schrille Empörungsrufe und wildes Handkan-tenschlag-Gestikulieren.
Weitere Versuche mit den leckeren Gläschen-Kindermenüs, vor-gekocht von Onkel Hipp, Tante Milupa oder ganz biodynamisch von Rapunzel, erzeugten erst schrille Heiterkeit im Kinderhoch-stuhl und dann tätlichen Protest.
So isst unser Kind also weiterhin Äpfel, Birnen oder Bananen mit einer Handvoll Haferflocken. Nicht zerdrückt, sondern sämig pü-riert. Dafür braucht sie übrigens gar kein Lätzchen. Jeder Löffel landet zielgenau in dem weit geöffneten Mund. Das kann sie, im-merhin ist sie ja auch schon ein Jahr alt. Was sie wohl einmal macht, wenn ihre Klassenkameradinnen kraftvoll in ihr Pausen-brot oder eine Pizza beißen? Ob sie dann ihre Warmhaltedose öffnet und den vorgekochten Obstbrei löffelt? Wenn ja, dann hof-fentlich mit viel Selbstbewusstsein. Denn für irgend etwas muss meine Erziehung schließlich gut sein.