@Pimpelhuber: ich werde nicht mit Dir schimpfen. Ich finde es nur unendlich traurig, wenn jemand keine andere Ebene der Kommunikation mit seinem Hund findet als per Knopfdruck und Elektroschock.
Aber es ist eine wichtige Information für mich. Doch dazu später.
Ich lehne alle Formen des Starkzwanges (das sind Methoden wie Stachelhalsband und Teletakt) grundsätzlich ab. Das heißt nicht, daß ich eine antiautoritäre From der Hundeerziehung befürworten würde. Im Gegenteil. Hunde haben untereinander eine Hierarchie und verstehen auch nur solche soziale Strukturen. Aber je autoritärer und souveräner ein Rudelführer ist, umso gewaltfreier kann er mit den anderen Rudelmitgliedern umgehen.
Hundeerziehung heißt ja im Prinzip: wie sag ich meinem Hund, was ich von ihm will? Dazu gibt es viele verschiedene Ansätze, die viele Bücher gefüllt haben und unmöglich alle in einer Mail besprochen werden können. Grundsätzlich funktionieren aber die Methoden (meines Erachtens) am besten, die auf einer positiven Konditionierung aufgebaut wurden (z.B. Sitz, Platz, Hier mit Leckerlie oder Spielzeug beigebracht und verstärkt) und dann aber nochmal negativ abgesichert werden (Warnsignal z.B. Pfui ode Nein, wenn es nicht befolgt wird plus Störung des Hundes, wenn er auf das Warnsignal nicht reagiert). Wie diese Störung erfolgt, kann von Hund zu Hund unterschiedlich aussehen. Sanfteren Herzchen genügt ein scharf gesprochenes Nein, andere fühlen sich durch ein Zippeln an der Leine gestört, ein Elektroschlag per Teletakt ist auch eine Störung, aber eine extrem heftige.
Ich will nicht bezweifeln, daß es Hunde geben mag, die als Störung tatsächlich einen so heftigen Reiz wie einen Elektroschock brauchen und sonst von allem anderen nicht zu beeindrucken sind. Ich persönlich habe allerdings noch keinen erlebt (und ich habe wahrlich schon sehr viele Hunde in Ausbildung gesehen und auch ettliche selber ausgebildet).
Der nächste Punkt ist, daß das A und O bei der Hundeerziehung das korrekte Timing ist. Also daß die Verstärker egal ob positive (Leckerle, Spielzeug, Clicker) oder negativ (Störungen) zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Man sagt, daß ein Hund nur dann zwei Handlungen in Verbindung miteinander bringt, wenn sie maximal 30 Sekunden auseinander liegen. Diese 30 Sekunden finde ich sogar noch als zu lange. Jedem ist klar (oder sollte klar sein), daß der Hund es nicht in den richtigen Bezug bringen kann, wenn er z.B. wegläuft, gerufen wird, erst nicht hört, dann doch zurückkommt und dafür dann bestraft wird. Die logischen Verknüpfung für den Hund wird sein: Ich soll nicht zurück kommen, denn dafür werde ich bestraft. Oder anders Beispiel: Besitzer kommt nach hause und entdeckt, daß Welpe auf den Perserteppich einen Haufen gemacht hat und bestraft ihn dafür. Der Welpe wird verknüpfen: Wenn Besitzer kommt gibts Haue. Aber auch andere Dinge: Hund wird gerufen, kommt auch, Besitzer beginnt erst mal in der Hosentasche nach Leckerli zu kramen, Hund setzt sich in der Zeit schon mal hin. Besitzer hat Leckerlie gefunden und gibt es ihm. Er hat den Hund dann allerdings nicht fürs Herkommen, sondern fürs Vorsitzen belohnt und darf sich nicht wundern, wenn zwar das Sitz ganz gut klappt, aber es mit dem Herkommen doch manchmal hapert.
Bei den positiven Verstärkungen ist das allerdings nicht ganz so schlimm mit dem schlechten Timing. Schlimmer sieht es aus, wenn bei den negativen Verstärkern das Timing nicht stimmt. Und leider neigen besonders die Hundeführer zu negativen Verstärkern, bei denen es mit den positiven nicht geklappt hat, meist weil eben da schon das Timing nicht gestimmt hat. Es mag sein, daß Teletakt in den Händen eines Hundeführers mit absolut perfektem Timing und gleichzeitig absolut beherrschten Emotionen keinen Schaden anrichtet. Daher sollte Teletakt auch nur von absolut erfahrenen Trainiern angewendet werden. Ich kenne allerdings keinen solchen Trainer, der es anwendet. Denn diese wirklich guten Trainer kommen eigentlich immer mit einer anderen, weniger harten Methode zum Ziel. Die Trainer, die zu Teletakt raten und es anwenden sind meist selbsternannte Experten aus dem Schutzhundesport oder aus Jägerkreisen. Ich habe noch keinen eigenen, so erzogenen Hund von diesen Leuten gesehen, der tatsächlich ein alltagstauglicher Begleithund gewesen wäre. Meist werden deren Hunde im Zwinger gehalten, bekommen zum Sport den Tacker um und können draußen kaum von der Leine gelassen werden (zumindest nicht ohne Tacker).
So kommt es dann gerade bei Starkzwang (also insbesondere bei Teletakt) im Laufe der Zeit zu Fehlverknüpfungen beim Hund. Beispiel: Der Hund läuft ein Stück entfernt und wird gerufen. Er gehorcht nicht und bekommt per Knopfdruck einen Elektroschlag. Zufällig lacht gleichzeitig nicht weit davon entfernt neben dem Hund ein Kind. Der Hund verknüpft nun das Lachen des Kindes mit dem Elektoschock. In einer anderen Situation nähert sich nun ein Kind dem Hund, will ihn vielleicht streicheln. Dabei lacht es auf diesselbe Weise wie damals das andere Kind. Der Hund hat das Lachen mit dem Elektroschock verbunden und beißt vor Angst vor dem erwarteten Schlag das Kind. (In der Bildzeitung steht dann "völlig grundlos und unerwartet"
Im Übrigen ist es beim KORREKTEN Einsatz des Teletaktes nie so, daß der Hund ständig mit dem Teil um den Hals rumlaufen muß. Nach einer Vorbereitungszeit (der Hund muß ja vorher erst mal das Kommando "erklärt" bekommen, dann folgt eine Phase der Gewöhnung an eine Atrappe, damit der Hund nachher nicht weiß, daß der Elektroschlag mit dem schwererern Halsband zu tun hat). Dann wird das Teletakt ungelegt und es wird eine Situation herbeigeführt, in der der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt (also evtl Wild, das vorbeiläuft, wenn der Hund wildert). Der Hund setzt zum Hinterhersprinten an, der Hundefüherer ruft ein Störkommando (ganz wichtig!!!), der Hund reagiert nicht, da er es bislang nicht kennt, daraufhin wird der Tacker einmal ausgelöst. Der Hund läßt vom Wild ab, hält kurz inne. Der Hundeführer gibt eine Alternativkommando, z.B. "Platz", dessen Durchführung er dann positiv verstärkt (Leckerlie, Lob etc). Das ist ganz wichtig!!! Wird das so aufgebaut, dann wird der Tacker nur ein oder zweimal im Leben des Hundes benötigt. Ansonsten reicht dann das Störkommano plus die positiv verstärkte Alternativhandlung. So angewendet würde ich evtl einen Tacker akzeptieren können. (Ich verwende keinen, da ich bisher jeden Hund auch anderes stören konnte). Aber meine Erfahrung zeigt mir, daß sie praktisch nie so angewendet werden, sondern eher als dauerhafte Fernbedienung für den Hund mit nachfolgenenden Fehlverknüpfungen und Verhaltensproblemen beim Hund.
Um noch mal auf Jasper zurückzukommen: Aus der Entfernung kann man immer sehr schwer sagen, wie man am besten mit dem Problem umgeht. Auf den ersten Blick (bzw die erste Mail) sah es so aus, als wenn es sich um eine Beuteaggression (Schweineohr) bei einem pubertierenden Jungrüden handelt. Aber nach den weiteren Informationen, die Du gegeben hast, könnte es auch durchaus sein, daß bei Jasper irgendeine ungewollte Fehlverknüpfung "Tacker-Verhalten der Frau" stattgefunden hat, weshalb er jetzt gebissen hatte. Das kompliziert natürlich die Sache. Man mußte dabei gewesen sein, um zu beurteilen, ob er denn offensiv oder defensiv aggressiv gehandelt hat. Das ist nur nach Beschreibungen manchmal nicht eindeutig zu beurteilen.
Ich würde Euch eine Hundeschule empfehlen. Allerdings gibt es leider kein Qualitätssiegel für Hundetrainer. Jeder, der sich berufen fühlt, kann eine Hundeschule aufmachen. Gegenüber den bisherigen, bei denen ihr wart und die Euch Teletakt geraten haben, wäre ich sehr skeptisch. Andererseits wird kein seriöser Trainer das Problem angehen, solange Jasper bei Spaziergängen das Teletakt trägt. Ihr müßtet also nicht nur an der Aggression arbeiten, sondern auch noch mal bei der Erziehung von vorne anfangen. Wenn Du schreibst, daß Du Jasper ohne Tacker gar nicht von der Leine lassen kannst, ist da ja einiges im Argen...
Wenn Du aber nichts unternimmst, kann ich Dir jetzt schon sagen, wie es ausgeht: Jasper wird immer mehr Zeit im Zwinger verbringen bis er praktisch gar nicht mehr oder nur noch für Spaziergänge rauskommt. Mit etwas Pech wird er wieder beißen bis er dann irgendwann eingeschläfert wird.
Oder aber Du gibst Jasper ab. Auch nicht einfach, denn er müßte auf jeden Fall in erfahrene Hände. Und diese "Hände" haben meist schon reichlich Hunde und suchen keine weitere.
Ihr wohnt in Osnabrück? Ich kenne da ein paar recht gute "Hundeleute". Falls Du Interesse an einer Hundeschule hast, kann ich mal fragen, ob es da eine gibt, die euch helfen kann.
@Trixi: Thema Kastration beim Rüden: Kann man, muß man nicht. Wenn der Rüde in der Pubertät aufmüpfig wird, kann eine Kastration unterstützend zur Erziehung hilfreich sein. Wenn er total abdreht, wenn Hündinnen in der Nähe sind oder er alles berammeln will, bringt eine Kastration auf jeden Fall etwas. Wenn er überall das Bein hebt um zu markieren (wird gerne auch mal in fremden Wohnungen macht, wo man zu Besuch ist
Nicht kastriert werden sollte ein Rüde, der ohnehin schon seeehr schüchtern mit anderen Rüden ist. Sonst kann (muß nicht, aber kann) es passieren, daß er nach der Kastration noch mehr untergebuttert wird.
Ist also immer eine Einzelfall-Entscheidung.





